Start ab 2027 · Altersvorsorge

Das Altersvorsorge-Depot kommt: Diese sieben Fehler kosten Sparer künftig am meisten Rendite

Zum 1. Januar 2027 löst das Altersvorsorge-Depot die Riester-Rente ab. Mehr Freiheit bedeutet auch mehr Eigenverantwortung – und mehr Raum für teure Fehlentscheidungen. Ich ordne ein, worauf es wirklich ankommt.

8 Min. Lesezeit Aktualisiert am 1. September 2026 Thomas Kolb
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Das Wichtigste in Kürze

  • Start: Das Altersvorsorge-Depot ersetzt zum 1. Januar 2027 die Riester-Rente. Bestehende Riester-Verträge laufen unverändert weiter.
  • Förderung: bis zu 540 € Grundzulage pro Jahr, 300 € je Kind und ein einmaliger Berufseinsteigerbonus von 200 € für Sparer unter 25.
  • Auswahl: renditeorientiertes Depot ohne Garantie, ein staatlich definiertes Standardprodukt mit 1,0 % Kostendeckel, oder Garantieprodukte mit 80 bzw. 100 % Beitragsgarantie.
  • Wichtigster Fehler: die Effektivkosten über die gesamte Laufzeit zu unterschätzen – nicht nur die beworbene Depotgebühr.

Die gesetzliche Rente allein reicht für die meisten Menschen nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Genau dafür sollte die Riester-Rente einst eine Brücke sein – ein Vorhaben, das aus Sicht vieler Sparer eher zu kompliziert als zu wirksam geriet. Mit dem Altersvorsorge-Depot (AVD) startet ab 2027 ein neues Modell: Der Bundestag hat die Reform am 27. März 2026 beschlossen, der Bundesrat stimmte im Mai zu. Statt in Garantieprodukte fließt das Geld künftig direkt in Fonds und ETFs, der Staat legt über Zulagen zu, und die Erträge wachsen in der Ansparphase steuerfrei.

Genau diese neue Freiheit verlangt aber mehr Eigenverantwortung von Ihnen als Sparer. Erfahrungswerte fehlen naturgemäß noch, weil das Produkt erst 2027 an den Start geht. Ich ordne deshalb ein, welche sieben Fehler aus meiner Sicht als Honorarberater am wahrscheinlichsten sind – teils, weil sie schon bei der Riester-Rente reihenweise vorkamen, teils, weil die Konstruktion des AVD selbst neue Fallstricke schafft.

1Die Kosten unterschätzen

Der Start des Altersvorsorge-Depots wird von einem harten Preiskampf begleitet: Mehrere Neobroker kündigen Depots ganz ohne Depot- und Ordergebühr an. Das klingt verlockend – bezieht sich aber ausschließlich auf die Kontoführung. Die laufenden Kosten der enthaltenen ETFs fallen weiterhin an, meist im Bereich von 0,1 bis 0,2 Prozent pro Jahr. Teuer wird es an anderer Stelle: Frei gestaltete Premium- und Versicherungsprodukte verlangen häufig 1,5 bis 2,5 Prozent jährlich. Der gesetzliche Kostendeckel von 1,0 Prozent schützt davor nicht, denn er gilt ausschließlich für das staatlich definierte Standardprodukt.

Dass der Kostendeckel überhaupt bei 1,0 Prozent liegt, ist keine Selbstverständlichkeit: Der Regierungsentwurf sah ursprünglich 1,5 Prozent vor. Erst nach anhaltender Kritik von Verbraucherschützern – Finanztip sammelte über 250.000 Unterschriften für eine Petition zur Gebührenbegrenzung – wurde der Deckel für das Standardprodukt auf 1,0 Prozent gesenkt. Das zeigt, wie stark der Kostenrahmen politisch verhandelt wurde und wie wenig er bei frei gestalteten Produkten außerhalb des Standardprodukts überhaupt greift.

Zur Einordnung: Bei 100 € monatlicher Sparrate über 30 Jahre und 6 % Wertentwicklung vor Kosten liegt der Unterschied zwischen einem 0,2-Prozent-Depot und einem 2,0-Prozent-Produkt bei mehreren Zehntausend Euro Endkapital – ein vereinfachtes Rechenbeispiel ohne Steuern und Förderung, das allein den Kosteneffekt zeigt. Mit meinem AVD-Rechner können Sie das für Ihre eigene Sparrate nachvollziehen.

Die Kosten enden zudem nicht mit dem Renteneintritt. Beim Auszahlplan bleibt das Kapital oft noch zwei Jahrzehnte investiert, die laufende Gebühr wirkt also weiter. Bei der lebenslangen Rente stecken die Kosten dagegen versteckt im Rentenfaktor – Sie zahlen sie über eine niedrigere Monatsrente. Ein Vorteil des neuen Systems: Zu Rentenbeginn dürfen Sie den Anbieter wechseln und die Auszahlkosten separat vergleichen.

2Sich in einen teuren Vertrag drängen lassen

Verbraucherschützer erwarten ab 2027 eine ausgeprägte Vertriebswelle. Wo Provisionen locken, richtet sich die Empfehlung häufig nach dem Interesse des Vermittlers – nicht zwangsläufig nach Ihrem. Auch vermeintlich neutrale Vergleichsportale verdienen häufig am Vertragsabschluss mit.

Das staatliche Standardprodukt lässt sich online und provisionsfrei abschließen. Wer eine echte Einordnung sucht, findet sie bei einem Honorarberater, der unabhängig vom Produktabschluss vergütet wird – das ist im Kern auch, warum ich mein Geschäftsmodell so aufgebaut habe.

3Zulagen nicht vollständig ausschöpfen

Die Förderung ist gestaffelt: Auf die ersten 360 € Eigenbeitrag im Jahr zahlt der Staat 50 Cent je Euro, macht 180 € Grundzulage. Für jeden weiteren Euro bis 1.800 € kommen 25 Cent hinzu – in der Spitze also 540 € pro Jahr. Hinzu kommen 300 € Kinderzulage je Kind und ein einmaliger Berufseinsteigerbonus von 200 € für alle unter 25 Jahren.

Wer zu wenig einzahlt, erhält die Zulage nur anteilig – die volle Förderung setzt den vollen Beitrag von 1.800 € voraus. Für eine anteilige Zulage reicht bereits ein Mindesteigenbeitrag von 120 € im Jahr, also 10 € im Monat – wer darunter bleibt, geht komplett leer aus. Und ohne separaten Zulagenantrag fließt gar nichts: eine reine Formalie, die trotzdem regelmäßig übersehen wird.

4Aus Vorsicht auf Rendite verzichten

„Ohne Garantie" klingt nach Risiko, weshalb viele reflexhaft zum sicheren Garantieprodukt greifen. Bei einem jahrzehntelangen Sparvorgang sehe ich darin eher die größere Gefahr: Wer 30 Jahre lang auf breit gestreute Aktienfonds verzichtet, verzichtet damit auch auf einen wesentlichen Teil der Rendite. Entscheidend ist der Anlagehorizont – wer die Rente noch weit vor sich hat, kann chancenorientiert investieren, wer kurz davorsteht, sollte das Kapital schrittweise absichern. Dieses Prinzip gilt auch über den Rentenbeginn hinaus, etwa beim befristeten Auszahlplan, bei dem das Restkapital weiter investiert bleibt.

5Förderung mit Nettorendite verwechseln

Zulagen und Steuervorteil wirken auf den ersten Blick großzügig – das ist jedoch eine Bruttorechnung. In der Auszahlphase besteuert der Fiskus geförderte Beiträge, Zulagen und Erträge vollständig mit dem persönlichen Steuersatz. Bei freiwillig gesetzlich Versicherten kommen zusätzlich Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge hinzu. Ob sich die Rechnung am Ende lohnt, hängt stark vom individuellen Steuersatz im Ruhestand ab – eine pauschale Antwort gibt es hier nicht.

6In Geldnot förderschädlich kündigen

Wird das Geld knapp, liegt eine Kündigung nahe – sie kann jedoch teuer werden, da erhaltene Zulagen und Steuervorteile in der Regel zurückgezahlt werden müssen. Die naheliegendere Alternative: den Vertrag beitragsfrei stellen. Das Ersparte bleibt investiert, die bereits erhaltene Förderung geht nicht verloren.

7Den bestehenden Riester-Vertrag vorschnell wechseln

Bestehende Riester-Verträge laufen samt Förderung unverändert weiter. Den Wechsel ins Altersvorsorge-Depot entscheiden Sie selbst – und in der Regel unwiderruflich. Ist das Kapital einmal umgezogen, verfällt die Beitragsgarantie des alten Vertrags. Ob sich der Wechsel lohnt, hängt von Alter, Kosten des Altvertrags und vorhandener Garantie ab und verdient eine individuelle Prüfung, bevor Sie unterschreiben.

Wichtiger Hinweis: Das Altersvorsorge-Depot startet erst zum 1. Januar 2027. Alle Angaben zu Produkten, Kosten und Anbietern in diesem Beitrag beruhen auf dem aktuellen Stand der Gesetzgebung und können sich bis zum Marktstart noch ändern. Dieser Beitrag ersetzt keine individuelle Beratung.

Was Sie jetzt tun können

Bis 2027 bleibt Zeit, sich in Ruhe vorzubereiten – ohne Zeitdruck durch eine Verkaufswelle. Sinnvoll ist es, den eigenen Riester-Vertrag rechtzeitig prüfen zu lassen, den tatsächlichen Kapitalbedarf im Ruhestand realistisch zu berechnen und Kostenstrukturen künftiger Angebote von Anfang an kritisch zu vergleichen. Genau dabei unterstütze ich Sie als unabhängiger Honorarberater – mit Zahlen statt Verkaufsargumenten.

Häufige Fragen

Altersvorsorge-Depot: kurz beantwortet

Zum 1. Januar 2027. Bestehende Riester-Verträge laufen unverändert mit Förderung weiter, ein Wechsel ins Altersvorsorge-Depot ist freiwillig und Ihre Entscheidung.
Die Effektivkosten zu unterschätzen. Eine kostenlose Depotführung sagt nichts über die laufenden Produktkosten aus – bei Premium- und Versicherungsprodukten können sie über die Sparzeit einen erheblichen Teil der Rendite kosten.
Nein. Der Wechsel ist in der Regel unwiderruflich und sollte erst nach einer Einzelfallprüfung von Kosten, Garantie und Restlaufzeit erfolgen.
Bis zu 540 € Grundzulage pro Jahr bei vollem Beitrag von 1.800 €, dazu 300 € Kinderzulage je Kind und ein einmaliger Berufseinsteigerbonus von 200 € für Sparer unter 25 Jahren.